Interview über Führung und die Arbeitswelt 4.0

Wie sieht die Arbeitswelt der Zukunft aus? Martin Hengartner, Organisationsberater, Coach bso und Lehrgangsleiter Leadership an der BFB, im Gespräch mit Simone Monnier, Leiterin Weiterbildung BFB.

Herr Hengartner, die Studie Arbeitswelt 4.0 der Universität St. Gallen aus dem Jahr 2015 sagt, dass die traditionellen Grenzen und Regeln in Unternehmen verschwinden werden. Läuft man damit nicht Gefahr, dass die Mitarbeitenden jegliche Orientierung verlieren?

Neue Organisationsformen werden etabliert, das Führungsverständnis ist im starken Wandel. Entscheidungen werden dezentral gefällt, um als Unternehmen rascher auf Veränderungen zu reagieren. Dies bedingt, dass die Vision und Ziele der Unternehmung für alle Beteiligten verständlich sind. Der Sinn und Zweck gibt Ori­entierung und ist der Rahmen für Entscheidun­gen. Dies erfordert Kompetenzen der (Selbst­)führung und Feedbackschlaufen auf allen Ebe­nen. Damit steigt die Chance, dass Mitarbeiten­de die Orientierung im Dschungel der Arbeits­welt behalten.

Als eigentliche Kernkompetenz in der Arbeitswelt der Zukunft wird das Selbstmanagement genannt, für Mitarbeitende und Führungskräfte – wie schätzen Sie dies ein?

Die Fähigkeit, seine Arbeit effizient und effektiv zu organisieren und sich selbst zu führen, ist in vielen Jobs wichtig. Sein Handeln reflektieren, die eigenen Ressourcen kennen und sie zielfüh­rend bei der Arbeit einsetzen. Leistung erbrin­gen und gesund bleiben erfordern ein ständiges Ausbalancieren der Pole „Anspannung“ und „Entspannung“, wie im Sport. Denn niemand läuft jeden Tag einen Marathon. 

Ein weiteres Stichwort ist die mentale Agilität – warum wird diese immer wichtiger? 

Mitarbeitende müssen sich laufend auf neue Situationen einlassen. Nebst den ändernden Fachkompetenzen sind Kooperationsfähigkeit, mit unterschiedlichen Menschen zusammen zuarbeiten und Veränderungsfähigkeit wichtig. In der eigenen Rolle klar sein ist anspruchsvoll, braucht Empathie und geistige Flexibilität. Eine reflektierte Selbstführung ist die Grundlage, um den vielfältigen Erwartungen zu genügen und authentisch zu bleiben.

Glauben Sie, dass man diese Kernkompetenzen aktiv fördern kann? 

Ja, auf jeden Fall. Dafür braucht es eine kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhal­ten, Neues ausprobieren zu wollen und Zeit, über sich nachzudenken. Denn im Stress gehen Wahrnehmung und Reflexionsfähigkeit verlo­ren. Wie ein chinesisches Sprichwort sagt: „Hast du Eile, so gehe langsam.“

Sie bilden Führungskräfte von morgen aus: Welche Erkenntnisse ziehen Sie aus diesen Zukunftsszenarien für Ihre Lehrtätigkeit? 

Wichtig ist, dass Studierende das Gelernte in ihr Verhalten integrieren. Sehr beliebt in Trai­nings ist die Methode der kollegialen Fallbera­tung. Dabei arbeiten sie in Gruppen an kon­kreten Führungssituationen und verknüpfen diese mit der Theorie. So sind sie gerüstet für die spannenden Führungsaufgaben von heute und morgen.

Im Magazin AKTIV, Ausgabe 3/2018, Seite 14.

Interview über Leadership-Ausbildung an der BFB Wirtschaftsschule

Martin Hengartner, Sie sind für die Weiterbildung Führungsfachleute mit eidg. Fachweis-Leadership-Zertifikat SVF/BFB zuständig. Was gefällt Ihnen am besten an dieser Aufgabe?

Der Kontakt mit Menschen, die sich bei ihrer beruflichen Tätigkeit weiter entwickeln wollen. Mir ist es ein Anliegen, dass sie die spannenden Aufgaben in ihrer Führungsrolle mit Freude tun und daran wachsen können. Ihre Tätigkeit soll positiv auf ihr Umfeld im Sinn ihrer Unternehmen wirken. Wenn ich dafür einen kleinen Anstoss geben kann, bin ich zufrieden. Und in jeder Unterrichtslektion lerne ich von den Teilnehmenden und über mich selbst. Wie kommen meine Erklärungen an? Was kann ich tun, damit die Teilnehmenden die Theorie in ihre Praxis umsetzen können? Diese Auseinandersetzung ist ein wichtiger Motor für mich. Mehr erfahren...